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60 Jahre Kurtheater

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60 Jahre Kurtheater

 

60 Jahre jung und voller Lebensfreude, so präsentiert sich das Kurtheater Baden zu seinem Jubiläum im März 2012. Auch wenn die Bühnengeschichte Badens viel weiter zurückreicht, im März 1952 wurde der heutige Theaterbau im Kurpark eröffnet. Entworfen wurde das Kurtheater von der Architektin Lisbeth Sachs und ist somit eines der ersten Bauwerke in der Schweiz, das von einer Frau geplant und gebaut wurde.

Rund 40'000 Theaterfreundinnen und -freunde besuchen jährlich das Haus mit dem ganz besonderen Charme. Bis heute ist es die einzige «Vollbühne» im Kanton - ein Haus mit 600 Plätzen, einer vollständigen Theaterinfrastruktur, anspruchsvoller Bühnentechnik und  Orchestergraben. Über 100 Vorstellungen verschiedenster Couleur werden dem Publikum pro Jahr geboten, davon sind je etwa die Hälfte Vermietungen, die andere Hälfte bildet das sogenannte kuratierte Programm - ein hochstehender Spielplan aus Sprech-, Musik und Tanztheater für ein anspruchsvolles Publikum, sowie ausgewählten Vorstellungen für Kinder, Jugendliche und Schulklassen.

Das Publikum liebt und schätzt dieses Theater, auch wenn man seiner Hülle die Jahre ansieht. Aber ganz besonders lieben und schätzen viele Künstlerinnen und Künstler dieses Haus!  Nach seinem persönlichen Statement befragt erzählt z.B. der Kurtheater-Dauergast Massimo Rocchi, der bereits 1986 mit seinem allerersten Solostück auf der Badener Bühne stand: „Ich liebe den Theatersaal: man kann und muss mit offener Brust hier spielen. Das Publikum sitzt überall." Auch das CabaretDuo Divertimento lobt: Baden ist beim ganzen Team sehr beliebt: super Atmosphäre, tolle Stimmung, immer ausverkauft und wegen der Bauweise, kommt jede Publikumsreaktion direkt auf die Bühne."

Der Schauspieler Philipp Hochmair ist derzeit am Thalia Theater Hamburg engagiert.  Als Mitglied des Ensembles des Wiener Burgtheaters gastierte er im Oktober 2008 im Kurtheater. Seitdem ist er immer wieder mit seinen Solostücken zu Gast. Ihn verbinden ganz besondere Erinnerungen mit Baden: "Die familiäre Atmosphäre und der Mut nach den Sternen zu greifen vereinen sich an diesem Ort besonders gut. Ich bin immer gestärkt und verändert aus Baden gefahren und hoffe, diese so vitale Verbindung noch lange erleben zu können. Unvergesslich ist für mich der Sprung in den frischen Schnee als Karl Rossmann in Unterhose am Ende der „Amerika"-Aufführung 2010. Das NaturTheater von Oklahoma, das sich hier einmalig und erstmalig ereignet hat! Oder die Freude und der Stolz mit Handkes "Spuren der Verirrten" die Saison 2008/09 zu eröffnen, werde ich nicht vergessen."

Catherine Brunet, Managing Director des BALLETT BASEL erzählt: „ Als wir, das Ballett Basel, in der Spielzeit 2003/2004 zum ersten Mal im Kurtheater Baden gastierten, wurden wir vom Publikum so herzlich und warm empfangen, das es auf der Hand lag, es auch ein zweites Mal zu probieren. Seither ist es fast schon zur Tradition geworden, einmal im Jahr für die Badener zu tanzen und wir fühlen uns jedes Mal sehr wohl im Kurtheater. Zwar ist die Bühne eher klein, im Gegensatz zu der, des Basler Theaters, aber es macht es für uns immer wieder spannend, mit unseren Choreographien näher am Publikum zu sein und festzustellen, dass die Stücke dadurch an Farbe und Intensität gewinnen können. Für uns also ein jährlicher Abstecher, den wir ausserordentlich schätzen!"

Im Jubiläumsmonat zeigt das Kurtheater eine Auswahl an Vorstellungen treuer Freunde des Hauses (wie z.B. Heinz Spoerli und sein Zürcher Ballett oder Flamencos en route), aber auch viele Neuentdeckungen (z.B. eine Produktion der KVS Koninklijke Vlaamse Schouwburg Brüssel und Vorstellungen aus Potsdam oder Freiburg). Auch wenn man dem Haus rein äusserlich die Jahre ansieht, schaut das Programm immerzu vorwärts, füllt sich die Bühne immer wieder mit Gegenwart und schenkt seinen Besuchern beglückende Theatererlebnisse. Und das nicht nur im Jubiläumsmonat.

Für die Gestaltung des kuratierten Spielplans zeichnet seit 2007 Barbara Riecke als Künstlerische Leiterin verantwortlich. Unter ihrer Führung hat das Haus inhaltlich wie strukturell eine Verjüngungskur erfahren. Für Riecke ist „Theater gelebte Gegenwart, ist gemeinsame, unmittelbare Erfahrung im Moment der Aufführung, ist teilnehmendes Miterleben". Sie meint weiter: „Wer das einmal als Qualität erkannt hat, fühlt sich in seinem Leben bereichert und möchte die Stunden im Theater nicht mehr missen. Dass es mitten in Baden seit 60 Jahren einen Ort gibt, an dem diese Erfahrungen möglich sind, ist ein wunderbarer Grund zum gemeinsamen Feiern."

Jubiläumsprogramm März 2012

Samstag, 10. März 2012, 19:30 Uhr
Opernhaus Zürich
Heinz Spoerli Gala

mit dem Zürcher Ballett
Mit Ausschnitten aus diversen Balletten des Zürcher Opernhauses

Dienstag, 13. März 2012, 20 Uhr
KVS Koninklijke Vlaamse Schouwburg, Brüssel
Mission
Von David van Reybrouck mit Bruno Vanden Broecke

Samstag, 17. März 2012, 19:30 Uhr
Theater Freiburg
Die Ratten
Berliner Tragikomödie von Gerhard Hauptmann

Donnerstag, 22. März 2012, 20:00 Uhr
Flamencos en route
Flamenco Gala
Zum 60-Jahr Jubiläum des Kurtheaters

Samstag, 24. März 2012, 19:30 Uhr
Theater Biel/Solothurn
I Puritani
Opera Seria von Vincenzo Bellini

Sonntag, 25. März 2012, 15:00 Uhr
Linard Bardill - Familienvorstellung
Nid so schnell, Wilhelm Tell
Eine musikalische Geschichte über Mut, Freiheit und Freundschaft.  Mit Linard Bardill, dem Sarastro Quartett und dem Kinderchor Rütihof. Für Menschen ab 5.

Dienstag, 27. März 2012, 10:00 Uhr
Mittwoch, 28. März 2012, 10:00 Uhr
Theater Kanton Zürich
Pinguine können keinen Kuchen backen
Mundart-Kindertheater von Ulrich Hub. Für Menschen ab 6

Samstag, 31. März 2012, 19:30 Uhr
Hans Otto Theater Potsdam
Amphitryon
Ein Lustspiel nach Molière von Heinrich von Kleist

 

 

Glückwünsche

Wie könnte man einem Theater zum Jubiläum gratulieren? Freilich, es gab diese Bühne gestern und auch vor einer Woche, einem Jahr, vor sechzig Jahren gar, aber diese Zeit ist vergangen, ohne Unterschied. Einerlei, ob ein Moment vor unserer Geburt oder der letzte Wimpernschlag, beide sind auf dieselbe Weise unerreichbar. Theater enthüllt dies und entsteht dadurch in jedem Augenblick. Was in einer beliebigen Sekunde geschieht, geschieht zum ersten und zum letzten Mal. Die Worte werden gesagt, die Muskeln in Bewegung gesetzt, die Gesten, die Blicke entstehen und vergehen, alles hier und jetzt. Was geschieht, wird nie wieder geschehen, doch wird es sich auch nie wieder nicht ereignet haben. Theater ist kein Ding, ist das nicht wunderbar? Es besitzt keine Geschichte, nicht so, wie jedes Buch und jedes Bild eine Geschichte mit sich trägt und durch die Zeit mit uns spricht. Theater ist bloss eine Hinwendung zur Gegenwart und vollendet sich im Augenblick, feiert diesen, sein Werden und Vergehen und unsere Einsicht in die Unwiederbringlichkeit. Das Leben ist eine endlose Reihe verpasster Augenblicke. Die versäumten Zärtlichkeiten, die Stunden der Trennung, alles, was Fortschritt und Entwicklung sein will, ist nur eine Bewegung hin zum Untergang. Wir sollten dem Theater keine Blumen bringen für etwas, was war, aber Glückwunsch und Hochgesang für alles, was ist.

Lukas Bärfuss